Aktien einfach erklärt: Ein echtes Stück vom Wirtschaftskuchen

In den vorherigen Ratgebern haben wir gelernt, wie du dein Geld in vorgefertigte Körbe (ETFs oder aktive Fonds) stecken kannst. Dabei hast du die eigentliche Auswahl der Firmen einem Computer oder einem Fondsmanager überlassen.

Aber was ist, wenn du gar keinen Mittelsmann möchtest? Wenn du genau weißt, dass du die Produkte von Apple, Nike oder BMW genial findest und direkt an ihrem Erfolg mitverdienen willst?

Dann kaufst du eine Einzelaktie. Damit betrittst du die klassische, traditionelle Welt der Börse.

Was ist eine Aktie überhaupt?

Wenn du eine Aktie kaufst, kaufst du kein abstraktes Finanzprodukt aus dem Labor einer Bank. Du kaufst einen kleinen Teil einer echten, existierenden Firma. Du wirst zum Miteigentümer.

Ein einfaches Beispiel: Stell dir vor, dein Lieblings-Bäcker um die Ecke möchte seine Bäckerei komplett modernisieren, hat aber nicht genug Geld auf dem Konto. Er könnte zur Bank gehen und einen Kredit aufnehmen. Oder er teilt seine Bäckerei gedanklich in 1.000 kleine Stücke (Aktien) auf und verkauft diese an Menschen in der Nachbarschaft.

Du kaufst ein Stück. Ab diesem Moment gehört dir ein Tausendstel dieser Bäckerei. Wenn die Bäckerei in den nächsten Jahren extrem erfolgreich wird und immer mehr Brötchen verkauft, bist du als Mitbesitzer an diesem Erfolg beteiligt. Genau das machen riesige Konzerne wie Microsoft, Volkswagen oder Coca-Cola an der Börse, nur eben mit Millionen von Aktien.

Wie verdienst du mit Aktien Geld?

Als Aktionär (so nennt man die Besitzer von Aktien) hast du zwei Möglichkeiten, um dein Vermögen zu vermehren:

1. Kursgewinne (Die Nachfrage steigt)

Bleiben wir beim Bäckerei-Beispiel. Wenn die Bäckerei plötzlich die besten Croissants der ganzen Stadt backt und die Gewinne sprudeln, wollen plötzlich ganz viele Menschen auch ein Stück von dieser Bäckerei besitzen.

Aber es gibt ja nur 1.000 Stücke! Wenn die Nachfrage höher ist als das Angebot, steigt der Preis. Du könntest dein Stück (deine Aktie), das du damals für 10 Euro gekauft hast, nun für 50 Euro an jemand anderen verkaufen. Diesen Gewinn nennt man Kursgewinn.

2. Dividenden (Die Gewinnausschüttung)

Viele Firmen (aber nicht alle!) sagen am Ende eines erfolgreichen Jahres: „Wir haben 100 Millionen Euro Gewinn gemacht. Einen Teil davon behalten wir für neue Fabriken, aber den anderen Teil schütten wir als Dankeschön direkt auf die Girokonten unserer Aktionäre aus.“

Diese Zahlung nennt man Dividende. Du kannst sie dir wie eine Art Zinszahlung vorstellen, die du einfach dafür bekommst, dass du die Aktie besitzt und dem Unternehmen die Treue hältst.

Wo liegt das Risiko bei Einzelaktien?

Wenn du einen weltweiten ETF kaufst, verteilst du dein Geld auf tausende Firmen. Wenn eine davon pleitegeht, zuckst du nur mit den Schultern. Die anderen Firmen gleichen das locker aus.

Kaufst du jedoch eine Einzelaktie, setzt du alles auf eine einzige Karte. Das Risiko ist hier deutlich höher:

Das Totalverlust-Risiko: Auch riesige, scheinbar unbesiegbare Firmen können bankrottgehen (erinnerst du dich an Nokia-Handys, Karstadt oder Wirecard?). Wenn ein Unternehmen pleitegeht, sinkt der Wert deiner Aktie auf 0 Euro. Das Geld, das du in diese Firma gesteckt hast, ist dann komplett weg.

Starke Schwankungen: Wenn Apple ein neues iPhone vorstellt, das niemand kaufen will, oder wenn bei VW ein Abgas-Skandal aufgedeckt wird, stürzt der Kurs dieser einen Aktie sofort ab. Du musst starke Nerven haben, wenn dein Depot plötzlich tief ins Minus rutscht.

Fazit: Für wen eignen sich Aktien?

Aktien sind spannend, machen Spaß und bieten die Chance auf sehr hohe Gewinne, wenn du das „nächste Amazon“ frühzeitig entdeckst. Für Anfänger gilt jedoch die eiserne Regel: Verwechsle die Börse nicht mit dem Casino.

Setze niemals dein gesamtes Erspartes auf nur ein oder zwei Firmen. Ein solides Anfänger-Depot besteht zu einem großen Teil aus einem langweiligen, aber extrem sicheren ETF (als Fundament). Erst wenn dieses Fundament steht, kannst du mit einem kleineren Teil deines Geldes „spielen“ und dir gezielt Einzelaktien deiner Lieblingsfirmen dazukaufen.

  • Risiko-Klasse: Hoch

Aktien, ETFs und Anleihen sind relativ leicht zu durchschauen: Du gibst Geld und besitzt dafür Firmenanteile oder verleiht es gegen Zinsen. Doch jetzt klettern wir auf unserem Risiko-Pendel eine Stufe höher. Es wird komplizierter, undurchsichtiger und deutlich gefährlicher.

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