ETFs einfach erklärt: Der Königsweg für deinen Vermögensaufbau

Wenn du dich in letzter Zeit auch nur ein kleines bisschen mit dem Thema Finanzen beschäftigt hast, bist du an drei Buchstaben garantiert nicht vorbeigekommen: E – T – F.

Egal ob Finanzblogs, Verbraucherschützer oder sogar dein bester Freund, gefühlt jeder rät aktuell dazu, sein Geld in ETFs zu stecken. Und das völlig zu Recht! ETFs gelten heute als der absolute Königsweg für Anfänger, die dem Nullzins auf dem Girokonto entkommen wollen.

Aber warum ist der Hype so riesig? Was genau verbirgt sich hinter diesem sperrigen Begriff und wie verdienst du damit als Einsteiger Geld, ohne abends schweißgebadet die Börsenkurse prüfen zu müssen? In diesem Ratgeber lösen wir das Rätsel komplett ohne Fachchinesisch auf.

Das Problem mit Einzelaktien: Alles auf eine Karte

Um zu verstehen, warum ETFs so genial sind, müssen wir kurz auf normale Aktien schauen. Wenn du eine Aktie kaufst, wirst du Miteigentümer einer Firma, sagen wir Apple oder Volkswagen. Wenn die Firma großartige Produkte baut und wächst, verdienst du Geld.

Aber: Wenn der neue VW-Golf ein Flop wird, ein Skandal ans Licht kommt oder die Wirtschaftskrise das Unternehmen hart trifft, stürzt der Kurs ab. Setzt du dein gesamtes Erspartes auf diese eine Firma, trägst du ein extremes Risiko. Geht die Firma pleite, ist dein Geld komplett weg (Totalverlust).

Die alte Börsenregel lautet daher: „Lege niemals alle Eier in einen Korb!“ Du müsstest dein Geld also auf mindestens 30 bis 50 verschiedene Firmen weltweit verteilen, um das Risiko zu streuen. Für einen Anfänger mit einem Startkapital von vielleicht 500 Euro ist das einzeln praktisch unmöglich und viel zu teuer.

Hier kommt der ETF ins Spiel.

Was ist ein ETF? (Die Obstkorb-Erklärung)

ETF steht für „Exchange Traded Fund“ (zu Deutsch: börsengehandelter Fonds). Vergiss den englischen Begriff am besten sofort wieder. Stell dir einen ETF stattdessen einfach als einen riesigen Obstkorb vor.

Anstatt mühsam einzelne Äpfel (Apple), Birnen (BMW) und Bananen (Microsoft) zu kaufen und zu hoffen, dass keine davon faul ist, kaufst du einfach den fertigen Obstkorb.

Ein ETF sammelt das Geld von tausenden Anlegern und kauft davon automatisch einen riesigen Mix an Aktien. Kaufst du auch nur einen einzigen Anteil an einem weltweiten ETF, bist du plötzlich auf einen Schlag an 1.500 bis 3.000 der größten Unternehmen der Welt beteiligt!

Wie wählt der ETF die Aktien aus? (Der Index)

Ein ETF braucht keinen teuren Bankberater im Anzug (Fondsmanager), der jeden Tag überlegt, welche Aktie er kauft. Ein ETF ist stur und folgt immer einem festen Rezept, einem sogenannten Index.

Der bekannteste Index in Deutschland ist der DAX. Er enthält einfach die 40 größten deutschen Unternehmen. Ein DAX-ETF ist wie ein Roboter: Er nimmt dein Geld und kauft automatisch genau diese 40 deutschen Firmen.

Noch besser für Anfänger ist der MSCI World Index. Er ist die Hitparade der Weltwirtschaft und enthält rund 1.500 Firmen aus Industrieländern (wie den USA, Japan, Deutschland). Ein MSCI World-ETF kauft exakt diese 1.500 Firmen.

Deine 3 größten Vorteile als Anfänger

Warum empfehlen Verbraucherzentralen und Finanz-Experten genau diese Art der Geldanlage für den Start?

Schon ab 1 Cent (oder 25 Euro) starten: Du brauchst kein Vermögen. Bei fast allen Online-Brokern kannst du einen „ETF-Sparplan“ einrichten. Dann zieht die Bank automatisch jeden Monat (wie bei einem Fitnessstudio-Abo) z.B. 25 oder 50 Euro von deinem Girokonto ein und kauft dafür ein kleines Stückchen vom weltweiten Obstkorb. So baust du völlig automatisch nebenbei Vermögen auf.

Eingebauter Schutz durch Streuung (Diversifikation): Weil du mit einem Welt-ETF dein Geld auf über 1.000 Firmen verteilst, verliert eine Einzelpleite ihren Schrecken. Wenn eine Firma bankrottgeht, fällt das bei 1.499 anderen erfolgreichen Firmen im Korb praktisch nicht ins Gewicht. Du investierst nicht in eine Firma, du investierst in die Weltwirtschaft. Und die ist langfristig noch immer gewachsen.

Extrem günstig: Weil beim ETF kein menschlicher Manager bezahlt werden muss, der klug (oder oft weniger klug) Aktien auswählt, sind die Gebühren minimal. Du zahlst meist nur 0,1 % bis 0,2 % pro Jahr. Klassische Bankfonds kosten oft 2,0 %. Ein Unterschied, der dich über die Jahre tausende Euro Rendite kosten kann!

Gibt es bei ETFs auch einen Haken? (Das Risiko)

Ein ETF ist der perfekte Kompromiss aus guter Rendite und gestreutem Risiko aber er ist kein magisches Festgeldkonto.

Auch ein ETF schwankt im Wert! Wenn eine globale Krise ausbricht (wie z. B. 2008 die Finanzkrise oder 2020 Corona), dann stürzt nicht nur eine Firma ab, sondern die gesamte Weltwirtschaft leidet. In solchen Momenten wird auch der Wert deines weltweiten ETFs tief ins Rote rutschen.

Hier gilt die eiserne Regel für ETF-Anleger: Wer in Aktien-ETFs investiert, muss Zeit mitbringen! Das Geld, das du hier investierst, solltest du in den nächsten 10 bis 15 Jahren nicht für eine neue Waschmaschine oder ein Auto brauchen. Historisch gesehen haben sich weltweit gestreute ETFs nach jedem noch so großen Börsen-Crash wieder erholt und neue Höchststände erreicht. Du brauchst nur die Nerven, solche Schwankungen einfach stur „auszusitzen“.

Sondervermögen: Was passiert, wenn mein Broker pleitegeht?

Eine der häufigsten Ängste von Einsteigern: „Was ist, wenn Trade Republic, Scalable Capital oder meine Bank plötzlich pleitegeht? Ist mein Geld dann weg?“

Klare Antwort: Nein. ETFs gelten in Deutschland rechtlich als sogenanntes Sondervermögen. Das bedeutet: Das Geld, das im ETF steckt, gehört immer zu 100 % dir. Die Bank oder der Broker bewahrt deinen „Obstkorb“ quasi nur in ihrem Schließfach auf. Geht die Bank pleite, darf sie nicht an deinen ETF ran, um ihre eigenen Schulden zu bezahlen. Du nimmst deinen ETF dann einfach mit zu einer anderen Bank.

Fazit: Wie startest du jetzt?

Wenn du auf der Suche nach dem „Eierlegenden Wollmilch-Wertpapier“ für den langfristigen Vermögensaufbau (z. B. für die Rente) bist, bist du am Ziel. Weltweite ETFs bieten dir die Chance, am Erfolg der größten Unternehmen der Welt mitzuverdienen, ohne dass du dafür jeden Tag Wirtschaftsnachrichten lesen musst.

Im nächsten Teil unseres Börsen 1×1 nehmen wir Aktive Fonds unter die Lupe.

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