Anleihen einfach erklärt: Der ruhige Anker für dein Depot

Wenn es an der Börse turbulent zugeht und die Aktienkurse Achterbahn fahren, suchen viele Anleger nach einem sicheren Hafen. Genau hier kommen Anleihen ins Spiel. Sie gelten als der defensivste und verlässlichste Baustein für den Vermögensaufbau.

Aber was genau ist eine Anleihe eigentlich? Wie verdienst du damit Geld und warum ist „sicher“ an der Börse niemals gleichbedeutend mit „zu 100 % risikofrei“? In diesem Teil unseres Börsen 1×1 erfährst du alles, was du als Anfänger über Anleihen wissen musst, ganz ohne Banken-Kauderwelsch.

Das Prinzip: Du spielst die Bank

Erinnerst du dich an die Aktien? Wenn du eine Aktie kaufst, wirst du zum Miteigentümer einer Firma. Bei einer Anleihe ist das völlig anders: Wenn du eine Anleihe kaufst, wirst du zum Geldgeber. Du spielst quasi die Bank.

Stell dir vor, der deutsche Staat möchte neue Autobahnen bauen, oder ein Autokonzern wie BMW will eine neue Fabrik errichten. Dafür brauchen sie extrem viel Geld, oft mehr als eine einzelne Bank ihnen leihen kann. Deshalb fragen sie direkt bei großen und kleinen Anlegern nach:

„Hey, leihst du uns für die nächsten 10 Jahre 1.000 Euro? Dafür zahlen wir dir jedes Jahr 3 % Zinsen. Und am Ende der 10 Jahre bekommst du deine 1.000 Euro komplett zurück.“

Dieser Deal wird in einem Wertpapier festgehalten, der Anleihe. (In Finanznachrichten hörst du dafür oft auch die englischen Begriffe Bonds oder das altmodische Wort Rentenpapiere).

Die 3 wichtigsten Vokabeln (und was sie wirklich bedeuten)

Anleihen-Profis werfen gerne mit Begriffen um sich. Lass dich davon nicht einschüchtern, es ist eigentlich ganz simpel:

Laufzeit: Die Dauer des „Kredits“, bis du dein Geld zurückerhältst (z. B. 5 oder 10 Jahre).

Nennwert: Das ist der Betrag, den du verleihst und am Ende zurückbekommst (z. B. 1.000 Euro).

Kupon: Das ist einfach nur ein altes Wort für den festen Zins, den du jedes Jahr auf dein Konto überwiesen bekommst (z. B. 3 %).

Welche Arten von Anleihen gibt es?

Im Grunde unterscheidet man Anleihen danach, wem du dein Geld leihst. Davon hängt auch ab, wie sicher dein Geld ist.

Unternehmensanleihen: Du leihst großen Firmen Geld (z. B. Apple, VW oder Telekom). Da eine Firma leichter pleitegehen kann als ein ganzes Land, zahlen Unternehmen in der Regel etwas höhere Zinsen, um Investoren anzulocken.

Staatsanleihen: Du leihst einem Land Geld. Leihst du es Deutschland oder den USA, gilt das als extrem sicher, denn ein starker Staat geht praktisch nie pleite. Leihst du dein Geld jedoch einem wirtschaftlich kriselnden Land, ist das Risiko deutlich höher.

Wo liegt das Risiko bei Anleihen?

Du denkst dir jetzt vielleicht: „Fester Zins, festes Rückgabedatum – das klingt doch nach einer todsicheren Sache, wie ein Festgeldkonto!“

Nicht ganz. Eine Anleihe ist ein Wertpapier, das du jeden Tag an der Börse kaufen und verkaufen kannst, auch bevor die Laufzeit endet. Und hier gibt es zwei Risiken, die du kennen musst:

Risiko 1: Der Schuldner geht pleite (Bonitätsrisiko)

Was passiert, wenn die Firma oder das Land, dem du Geld geliehen hast, zahlungsunfähig wird? Im schlimmsten Fall siehst du dein Geld nie wieder. Deshalb gilt auch hier die eiserne Börsen-Regel: Rendite kommt von Risiko. Wenn dir eine völlig unbekannte Firma oder ein Krisenstaat plötzlich 12 % Zinsen im Jahr verspricht, dann tun sie das nur, weil das Ausfallrisiko gigantisch hoch ist!

Risiko 2: Die Zinswippe (Kursrisiko)

Das ist der wichtigste Punkt für dein Verständnis: Anleihenkurse schwanken! Warum? Das liegt an der allgemeinen Zinsentwicklung auf der Welt.

Ein einfaches Beispiel: Stell dir vor, du kaufst eine Anleihe für 1.000 Euro, die dir 2 % Zinsen pro Jahr bringt. Ein Jahr später ändert die Zentralbank die Leitzinsen. Plötzlich gibt es neue Anleihen auf dem Markt, die 4 % Zinsen abwerfen. Wenn du nun deine alte 2% Anleihe an der Börse verkaufen möchtest, wird dir niemand mehr die vollen 1.000 Euro dafür geben. Jeder will lieber die neuen, besseren 4% Anleihen.

Damit du deine alte Anleihe trotzdem loswirst, musst du sie billiger abgeben (z. B. für 950 Euro). Der Kurs deiner Anleihe ist also gefallen. (Wichtig: Wenn du die Anleihe einfach bis zum Ende der Laufzeit behältst, betrifft dich das nicht. Du bekommst am Ende trotzdem deine 1.000 Euro vom Staat/Unternehmen zurück).

Merksatz zur Zinswippe: Steigen die allgemeinen Zinsen auf der Welt, fallen die Kurse von bereits laufenden Anleihen. Sinken die allgemeinen Zinsen, steigen die Kurse.

Wie kauft man Anleihen als Anfänger?

Einzelne Anleihen zu kaufen, ist für Anfänger oft umständlich. Viele Anleihen haben Mindestkaufsummen von 1.000 Euro, manche sogar 100.000 Euro. Zudem hättest du wieder das Problem, dass du dein ganzes Geld auf einen einzigen Schuldner setzt.

Die deutlich bessere Lösung: Anleihen-ETFs. Genauso wie es ETFs für Aktien gibt, gibt es diese praktischen Körbe auch für Anleihen. Ein Anleihen-ETF sammelt das Geld vieler Anleger und kauft davon hunderte verschiedene Staats- oder Unternehmensanleihen. So streust du dein Risiko automatisch. Geht tatsächlich mal ein Schuldner aus diesem großen Korb pleite, fällt das kaum ins Gewicht.

Fazit: Brauchst du Anleihen in deinem Depot?

Anleihen sind nicht dazu da, dich über Nacht reich zu machen. Ihre Rendite ist meist spürbar niedriger als die von Aktien. Ihre Aufgabe im Depot ist eine andere: Sie sind der Airbag bei einem Börsencrash.

Wenn die Wirtschaft in der Krise steckt und die Aktienmärkte einbrechen, bleiben Anleihen von starken Staaten meistens stabil oder steigen sogar im Wert, weil viele verängstigte Anleger ihr Geld dann lieber in diese „sicheren Häfen“ flüchten.

Für deinen Start an der Börse gilt: Wenn du ruhig schlafen möchtest und starke Schwankungen bei Aktien nicht aushältst, ist ein Anteil an soliden Staatsanleihen (z. B. über einen Anleihen-ETF) eine hervorragende Idee.

Du willst wissen, wie du mit der größtmöglichen Risikostreuung an der Börse durchstartest?

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