Aktive Fonds einfach erklärt: Besser als der Markt?

Im letzten Kapitel haben wir uns den ETF (Exchange Traded Fund) angeschaut – den automatischen Obstkorb, der einfach blind den ganzen Markt kauft. Ein ETF ist günstig, weil dort kein teurer Experte am Schreibtisch sitzt, der Entscheidungen trifft. Ein Computerprogramm erledigt die Arbeit.

Aber was ist, wenn du dich nicht mit dem bloßen Marktdurchschnitt zufriedengeben willst? Was, wenn du einen echten Finanzprofi anheuern möchtest, der nur die allerbesten, saftigsten Früchte (Aktien) für deinen Korb heraussucht?

Genau hier kommen die aktiv gemanagten Fonds (oder kurz: Aktive Fonds) ins Spiel. Sie sind der absolute Liebling vieler Bankberater. Aber lohnen sie sich auch für dich?

Wie funktioniert ein aktiver Fonds?

Das Grundprinzip ist ähnlich wie beim ETF: Viele Anleger werfen ihr Geld in einen großen Topf. Mit diesem Geld werden dann Aktien (oder auch Anleihen) gekauft.

Der große Unterschied ist der Mensch am Steuer: der Fondsmanager. Dieser Experte und sein Team aus Analysten beobachten den ganzen Tag die Märkte. Sie lesen Firmenberichte, bewerten Wirtschaftstrends und entscheiden aktiv:

  • „Wir verkaufen heute die Apple-Aktie, weil wir glauben, dass sie fallen wird.“
  • „Wir kaufen stattdessen Aktien einer kleinen Firma für erneuerbare Energien, weil dort die Zukunft liegt.“

Das Ziel des Fondsmanagers ist es immer, den Markt zu schlagen. Er möchte dir eine höhere Rendite einbringen, als wenn du das Geld einfach in einen dummen, automatischen ETF gesteckt hättest.

Der Haken an der Sache: Die hohen Kosten

Einen gut bezahlten Finanzexperten und ein teures Büro in Frankfurt oder London im Hintergrund zu haben, kostet Geld. Und dieses Geld bezahlst du als Anleger. Aktive Fonds haben zwei große Gebühren-Fallen, die du als Anfänger unbedingt kennen musst:

1. Der Ausgabeaufschlag (Die Eintrittskarte)

Wenn du Anteile an einem aktiven Fonds kaufst, verlangt die Bank meistens eine sofortige Gebühr, oft rund 5 Prozent deiner Anlagesumme. Ein Rechenbeispiel: Investierst du 1.000 Euro, fließen sofort 50 Euro als Provision an die Bank. Nur 950 Euro werden tatsächlich für dich angelegt. Du startest also direkt im Minus und der Fondsmanager muss sich erst einmal anstrengen, um diesen Verlust wieder reinzuholen.

2. Die laufenden Kosten (TER)

Zusätzlich zahlst du jedes Jahr eine Gebühr für das Management. Bei aktiven Fonds liegt diese oft bei 1,5 % bis 2,0 % deines angesparten Vermögens. Ein ETF kostet zum Vergleich oft nur rund 0,2 % im Jahr.

Schlägt der Experte den Markt wirklich?

Jetzt könnte man sagen: „Die hohen Gebühren sind mir egal, solange der Fondsmanager durch sein Wissen viel mehr Gewinn für mich macht!“

Das klingt logisch, aber die harte Realität an der Börse sieht leider anders aus. Zahlreiche Studien zeigen seit Jahren das gleiche, überraschende Bild: Die allermeisten Fondsmanager schaffen es langfristig nicht, den Markt zu schlagen. Auf eine Sicht von 10 Jahren sind oft mehr als 80 % der menschlichen Experten schlechter als ein einfacher, automatischer weltweiter ETF. Der Grund dafür sind vor allem die hohen Gebühren, die wie ein ständiger Bremsklotz an der Rendite des aktiven Fonds hängen.

Warum empfiehlt die Bankengruppe dann so oft aktive Fonds?

Wenn du einen Termin bei deiner Hausbank machst und sagst, dass du Geld anlegen möchtest, wird dir fast immer ein aktiver Fonds aus dem eigenen Haus (z.B. von Deka oder Union Investment) angeboten. Ein ETF wird dort so gut wie nie freiwillig erwähnt.

Der Grund ist simpel: Provisionen. An dem teuren Ausgabeaufschlag und den hohen laufenden Gebühren eines aktiven Fonds verdient die Bank viel Geld. An einem günstigen ETF, den du dir selbst mit zwei Klicks aufs Smartphone holst, verdient der Bankberater in der Filiale keinen Cent.

Fazit: Das Risiko eines aktiven Fonds

Neben den normalen Kursschwankungen der Börse hast du bei einem aktiven Fonds ein zusätzliches Risiko: das Manager-Risiko. Du wettest darauf, dass der Fondsmanager schlauer ist als der Rest der Welt. Macht er Fehler oder schätzt er einen Trend falsch ein, verlierst du Geld und musst ihm seine hohen Gebühren trotzdem bezahlen.

  • Risiko-Klasse: Mittel bis Hoch

Für die meisten Anfänger, die einfach und stressfrei Vermögen aufbauen wollen, bleibt der automatische ETF daher die mathematisch bessere und deutlich günstigere Wahl.

Du möchtest gar keinen Mittelsmann, weder einen Computer (ETF) noch einen Fondsmanager? Du willst selbst entscheiden, welchen Firmen dein Geld gehört? Dann bist du bereit für die Königsklasse des traditionellen Investierens: Die Einzelaktie.

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